Visumantrag: Bearbeitungszeiten
Bearbeitungszeiten realistisch einschätzen: Unterschiede zwischen Schengen- und Nationalen Visa kennen, Einflussfaktoren verstehen und durch vollständige Unterlagen Verzögerungen vermeiden.
Anas Haj Hasan - Aktualisiert 8. September 2026 | 11:30
Im Anschluss an den erfolgreichen Vor-Ort-Termin bei einer deutschen Auslandsvertretung beginnt die Bearbeitungszeit des Visumantrags. Die Dauer der Bearbeitung variiert je nach Visumtyp, Vollständigkeit der Unterlagen und Auslastung der beteiligten Behörden. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die üblichen Bearbeitungszeiten der Anträge und erklärt, welche Faktoren deren Dauer beeinflussen können.
Bearbeitungszeiten – Schengen Visum
Für Schengen Visa beträgt die Bearbeitungszeit in der Regel etwa 15 Tage. Die Bearbeitung erfolgt direkt durch die Botschaft ohne Beteiligung deutscher Ausländerbehörden, was zu kürzeren Bearbeitungszeiten führt.
Bearbeitungszeiten – Nationales Visum
Bei Nationalen Visa für längerfristige Aufenthalte über 90 Tage dauert die Bearbeitung mehrere Wochen. In Einzelfällen kann die Bearbeitung bis zu 3 Monate oder länger dauern. Da neben der deutschen Botschaft auch die Ausländerbehörde des geplanten Wohnortes sowie gegebenenfalls die Bundesagentur für Arbeit für den Visumantrag zuständig sind, dauert die Bearbeitung oftmals länger.
Während der Bearbeitungszeit
Während der Bearbeitungszeit können Botschaften und Ausländerbehörden jederzeit weitere Unterlagen nachfordern. Bei Nachforderungen sollte schnell reagiert werden, da sonst Verzögerungen entstehen oder der Antrag abgelehnt werden kann. Die Bearbeitungsdauer lässt sich nicht durch zusätzliche Nachfragen beschleunigen. Einige Botschaften erlauben Rückfragen zum Stand des Antrags erst nach einer bestimmten Frist – häufig nach 3 Monaten. Die aktuellen Kontaktregelungen sollten auf der Webseite der jeweiligen Botschaft geprüft werden. Es ist wichtig, während der Bearbeitungszeit für Rückfragen von der Botschaft erreichbar zu bleiben und regelmäßige E-Mails zu überprüfen.
Einflussfaktoren auf die Bearbeitungszeit
- Vollständigkeit der Unterlagen
- Auslastung der Botschaft
- Auslastung der Ausländerbehörde in Deutschland
- Bundesland und Region
Nach der Entscheidung
Sobald die Botschaft über den Antrag entschieden hat, wird die antragstellende Person kontaktiert – je nach Botschaft per E-Mail oder telefonisch.
Bei einer Zusage: Die Person wird aufgefordert, den Reisepass zur Ausstellung des Visums einzureichen. Falls noch nicht vorhanden, muss zusätzlich ein Nachweis über eine gültige Krankenversicherung nachgereicht werden.
Bei einer Ablehnung: Die Botschaft teilt die Gründe für die Ablehnung mit und informiert über mögliche Schritte. Ab dem 01.07.2025 wurde das Remonstrationsverfahren abgeschafft. Das bedeutet, dass gegen eine Ablehnung nur noch der Rechtsweg vor dem Verwaltungsgericht Berlin offensteht. Alternativ kann jederzeit ein neuer Visumantrag gestellt werden.
Sonderregelungen
Einige deutsche Botschaften haben damit begonnen, bestimmte Visumanträge – unter anderem von internationalen Gesundheitsfachkräften – direkt vor Ort zu bearbeiten, ohne Rücksprache mit einer deutschen Ausländerbehörde. In diesen Fällen kann die Entscheidung bereits innerhalb von etwa 10 Tagen getroffen werden. Voraussetzung ist jedoch, dass der Antrag vollständig eingereicht wurde. Fehlen notwendige Unterlagen, kann der Antrag abgelehnt werden, ohne dass eine Nachreichung möglich ist.
Beschleunigtes Fachkräfteverfahren
Internationale Fachkräfte, die bereits einen Arbeitsvertrag mit einem deutschen Arbeitgeber abgeschlossen haben, können das beschleunigte Fachkräfteverfahren nutzen. Bei diesem Verfahren kann der Arbeitgeber in Deutschland die Bearbeitung beschleunigen, indem er den Antrag direkt bei der zuständigen Ausländerbehörde stellt. Das beschleunigte Verfahren ermöglicht eine deutlich kürzere Bearbeitungszeit, da die Kommunikation zwischen Botschaft und Ausländerbehörde verbessert wird. Der Arbeitgeber sollte über diese Möglichkeit informiert werden, bevor ein Termin bei der Botschaft gebucht wird.
Wichtige Hinweise und praktische Tipps
Die angegebenen Bearbeitungszeiten sind Richtwerte und können im Einzelfall abweichen. Wenn man lange auf eine Rückmeldung von der Botschaft warten muss, lässt sich dies häufig durch die oben genannten Faktoren erklären: Eine hohe Anzahl von Visumanträgen bei der Botschaft, Nachforderungen fehlender Dokumente oder unterschiedliche Bearbeitungszeiten der Anerkennungsstellen in den einzelnen Bundesländern können den Prozess erheblich verlängern. Eine frühzeitige Planung und rechtzeitige Antragstellung sind daher entscheidend. Der wichtigste Faktor zur Vermeidung von Verzögerungen ist die vollständige und korrekte Vorbereitung aller Unterlagen. Unvollständige Anträge führen zu längeren Bearbeitungszeiten oder sogar zu Ablehnungen. Vor der Antragstellung sollten daher immer die aktuellen Bearbeitungszeiten und die spezifischen Anforderungen auf der Webseite der zuständigen Botschaft geprüft werden.
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